Entstehungsjahr: 1935 | Technik: Farbige Kreide, Rötel auf Büttenpapier
Maße: 62,5 x 48 cm| Weißes Schloss Heroldsberg, Inv. Nr. fg0690
In den 1930er Jahren beschäftigte sich Fritz Griebel intensiv mit Motiven der antiken Welt. Die Kreide- und Rötelzeichnung mit dem Titel „Gruß aus Italien“ zeugt von Griebels Begeisterung für die Antike und Italien.
Der Blick fällt zuerst auf die große Statue rechts der Mittelachse, die auf einem Sockel steht. Ihr fehlen der Kopf und Partien der Arme. Eine halbnackte, nur mit einem Tuch verhüllte Frau blickt zum Himmel empor. Ihre Gestalt und Körperhaltung gleichen einer antiken Statue. Hinter ihr steht ein nackter Mann, der auf einen Obelisken blickt. Die Szenerie wird im Hintergrund von einer Architektur und Zypressenbäumen begrenzt. Der hohe Turm mit seinen Anbauten zeigt keine antiken Elemente, sondern wirkt romanisch.
Die Ruhe der Szenerie erinnert an surrealistische Werke von Giorgio de Chirico (1888-1978), jedoch fehlt bei Griebel der surrealistische Aspekt.
Die Ruhe wird plötzlich von einem nackten Knaben gestört, der von links auf einer Wolke in den Bildraum fliegt. Seine ungelenke Beinhaltung fällt sofort auf und passt nicht zu den übrigen Figuren der Zeichnung. Möglicherweise wollte Fritz Griebel hier Amor zeigen, der zwei Kränze trägt. Sie könnten für die Frau und den Mann bestimmt sein, die sich zwischen Obelisk und Statue bewegen. Mit dem Einsatz des Rötelstiftes gelang es dem Künstler sehr gut, die Hitze zu veranschaulichen, der eine gewisse Stille innewohnt.
Text: Alexander Racz, M.A. im August 2022